Die Primärenergie eines Lehmputzes ist nahe null

Die Herstellung erdfeuchten Lehms ist sehr einfach und bedarf nur weniger Energie, die Graue Energie (Primärenergie) von Lehmbaustoffen ist gering. Transportenergie lässt sich wegen des häufigen Vorkommens noch einsparen.

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Lehm ist ein Fertigprodukt. Verkürzt und vereinfacht gesagt: Nachdem man ihn der Erde abgetrotzt hat, ist er, mit Wasser geschmeidig gemacht und mit Sand vermischt, sofort parat zur Nutzung. Im Gegensatz zu den modernen Baustoffen benötigt er keine hundert energieaufwändigen Arbeitsschritte, um zu einem nutzbaren Baustoff zu werden. Keine chemische Synthese, keine Vergütung, keine stoffliche Metamorphose – in den heutigen Zeiten der systematisch indoktrinierten Baumarktisierung kaum vorstellbar: Das Diktat der Moderne hat ihre unselige Spur in den letzten sieben Jahrzehnte mehr als deutlich im Bauwesen hinterlassen. Dort gilt: Nur aufwendig und kompliziert hergestellte Baustoffe, am besten chemische, taugen etwas. Und billig sind sie noch dazu – zumindest im Kaufpreis. Den wahren Preis, nämlich den der energie- und rohstoffintensiven Produktion und Entsorgung, tragen weder Bauunternehmen noch Häuslebauer.
Glücklicherweise findet allerorts ein Umdenken statt, bei dem sich Menschen wieder auf die Vernunft der Einfachheit besinnen. Und Lehm ist einfach:
•    Er kommt überall in der Natur vor. Für das eigene Haus genügt mitunter die kleine Lehmgrube im eigenen Garten. Transportenergie: fast null. Plus ein bisschen zusätzliche Fitness.
•    Ein Lehmputz benötigt keine lange und umständliche Aufbereitung. Anmischen des Rohstoffs mit Sand und Wasser, auftragen. Fertig. Geht notfalls auch vollständig ohne Strom.
•    Die Herstellung von Bauelementen aus Lehm ist überraschend einfach. Der Lehm muss mit den weiteren Rohstoffen, beispielsweise Zuschlägen, vermengt und in Form gebracht werden. Der einzige Faktor, der eventuell als sogenannte Graue Energie zusätzlich zu Buche schlagen könnte, ist diejenige, die für Transport und Trocknung aufgewandt wird. Für die Trocknung reichen meist aber schon genügend Zeit und Lagerflächen.