Lehm bindet Schadstoffe und Gerüche

Mit der Feuchtigkeit lagert Lehm auch Gerüche und Schadstoffe ein.
Er baut diese ab oder bindet sie fest ein. Ein Gramm Tonmineralien hat etwa eine Oberfläche von 800 m².

Odoo • Ein Bild mit einer Bildunterschrift
 

Ein großer Vorteil des Baustoffes Lehm ist seine Diffusionsoffenheit. Das heißt, er ist in der Lage, die Feuchtigkeit der Raumluft zu regulieren. Mit den Wassermolekülen nimmt er auch Gerüche und Schadstoffe auf und ist in der Lage, diese zu fest anzulagern oder sogar wieder abzusondern.
Der Ton, wichtiger Bestandteil des Lehms, hat eine besondere kristalline Struktur: Er ist  mehrschichtig. Zwischen diesen Schichten herrschen starke kapillare Kräfte, durch die das Wasser und darin gebundene Stoffe bis in tiefe Schichten einer massiven Lehmmauer gelangen können. Die Kristallstruktur ist so fein und vielschichtig, dass ein Gramm des Tonminerals etwa 800 m² Oberfläche hat – und schon mit neun Gramm hat man die Fläche eines Fußballfeldes zusammen: viele Gelegenheiten zum Anlagern von Wassermolekülen.
Es ist eine der Binsenweisheiten des Lehmbaus: Je mehr Lehmmasse vorhanden ist, desto mehr Potenzial hat die Lehmwand zur Feuchtigkeitsaufnahme oder beispielsweise als Wärmespeicher.
Feuerqualm, Rauchen oder Dämpfe aus Küche und Bad: All diese Gerüche – oder den Feinststaub von Feuer- oder Zigarettenrauch – vermag ein Lehmputz mit dem Dampf zusammen aufzunehmen, der ganz natürlich durch Schwitzen und Atmung entsteht. Er kann zwar ein regelmäßiges Lüften nicht ersetzen, doch puffert er – bei ausreichend großer Wandoberfläche und -dicke – diese Dämpfe und Gerüche ab: Es dringt so lange Dampf in die Kapillaren ein, wie er im Raum überschüssig vorhanden ist. Bei starkem Dampfaufkommen geschieht dieser Prozess so lange, bis die ersten Wassermoleküle auf der Außenseite der Wand angekommen sind und dort vom Wind weggetrocknet werden: Ein kapillarer Sog entsteht. Ist der Dampf vollständig aus der Raumluft aufgenommen, kommt der Prozess zum Erliegen.
Und wir haben es ausprobiert und es stimmt: Lehm hat Selbstreinigungskräfte. Wir haben eine nikotinverseuchte Lehmwand ausgebaut und den Lehm beiseitegelegt. Er reinigt sich tatsächlich selbst. Nach einiger Zeit war der Gestank entschwunden.